Holocaust Mahnmal Berlin

Berlin

Potsdamer Platz. Brandenburger Tor. Reichstag. Wir hatten mal wieder Lust auf Berlin. Am 8. Juni machten wir uns auf den Weg – aber nicht mit dem Flieger. Wir nahmen unser eigenes Fortbewegungsmittel. Das hört auf den Namen Plus. Golf Plus. Die 110 Pferdestärken unseres Schlittens sollten uns im Galopp in die Hauptstadt der Republik befördern.

Da wir auch einige Flohmärkte besuchen wollten, war die Fahrt mit dem eigenen Auto die für uns beste Option. Alle Einkäufe konnten ohne Probleme im Kofferraum transportiert werden. Vor allem nach Hause.

Nach einer 4-stündigen Fahrt (mit einer Unterbrechung) erreichten wir unser Zwischenziel: Potsdam. Hier wollten wir uns Schloss Sanssouci anschauen. Fotografisch gab es leider nur inakzeptables Licht.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Berlin. Was ich dabei hatte? Meine neuesten, aber schon eingelaufenen Schuhe und meine X100F, mithin eine Kamera, die mich immer mehr für sich einnimmt. Das hat oft konzeptionelle, manchmal philosophische, aber immer auch Gewichts- und Größen-Gründe. Die Bildqualität spielte hier keine Rolle. Die ist mit der meiner EOS 6D auf Augenhöhe. Was fehlt ist die Flexibilität. Das hatte in Berlin mal gute und oft auch „weniger gute“ Konsequenzen.

Fotografisch ging es mir in Berlin vor allem um zwei Motive: Eine Hochhausfassade und das Holocaust Mahnmal. Die gewünschte Fassade habe ich im ersten Anlauf zu meiner größten Überraschung nicht wiedergefunden (dafür aber ein schickes „Fenster„) – und das Holocaust-Mahnmal war am ersten Tag dermaßen gut besucht, dass ich kaum zwischen die Stehlen gelangt bin. Als ich es dann geschafft hatte, lief mir letztlich immer irgendwer durchs Bild. Das hat mich erst genervt und später erfreut. Siehe Titelbild.

Ich bin dann auch noch mal am Abend losgegangen. In der Hoffnung auf weniger Menschen zu treffen. Das hat sich als kompletter Fehlschlag entpuppt, denn es war sogar noch voller. Dafür fand ich meine gesuchte Hochhausfront. Die wurde allerdings in beschissenes Licht getaucht. Offenbar würden sich meine eh‘ schon niedrig gesteckten Ziele nur schwer umsetzen lassen.

Am nächsten Tag sah es deutlich besser aus. Wir waren gegen kurz nach 6 Uhr morgens am Denkmal und es war niemand sonst vor Ort. Demgemäß konnte ich in aller Ruhe Fotografieren.

Sonntag. Der 11. Juni – Unser Tag beginnt um 4:45 Uhr. Raus aus den Federn! In der Hoffnung auf menschenleere Orte. Hat geklappt. Allerdings nicht ganz so gut wie zuvor. Immerhin war das Holocaust Mahnmal auch zu dieser frühen Stunde kaum besucht.

An diesem Tag wollte ich auch noch Szenen der Museumsinsel einfangen. Mit dem Auto war der Ortswechsel schnell vollzogen. Beim Eintreffen sahen wir uns einem Großaufgebot der Feuerwehr gegenüber. Im Vorbeigehen hörte ich zwei Männern zu, die sich über die Geschehnisse unterhielten. Wenn ich mich nicht sehr verhört habe, ging es wohl darum, dass zwei oder drei junge Männer die Spree in Höhe des Bode-Museums schwimmend überqueren wollten. Einer ging dann offenbar unter.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging, bis Feuerwehr und Polizei eintrafen, aber während ich mein erstes Foto von der Brücke schoss, die die Bodestraße mit der anderen Uferseite verbindet, schwamm unter mir mindestens ein Taucher umher. Etwa zwanzig Minuten nach unserem Eintreffen wurde der junge Mann (angeblich ein 20-jähriger Amerikaner) tatsächlich gefunden und aus dem Wasser gezogen. Anschließend hat ein Ärzteteam lange Zeit eine Reanimation versucht. Offenbar vergeblich.

Es ist schlimm, so etwas zu sehen – und wie es den Eltern nun geht, will ich mir lieber gar nicht vorstellen.

Jörn Daberkow

Alle hier gezeigten Bilder habe ich mit der Fujifilm X100F aufgenommen.

Kategorien Reisen

Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetisches Codes und keine freie Entscheidung.

8 Kommentare zu “Berlin

  1. Ich selber war schon länger nicht mehr in Berlin. Erst recht nicht um solche Uhrzeiten 🙂 Aber die Fotos sind sehr schön. Besonders gut gefallen mir 2, 6, 11, 21 und 24. Das letzte hat mich an das National Maritim Museum in meinem London und Eastbourne Artikel erinnert.

    Hach, andere Städte sind doch immer wieder schön. Ich bin ja gerade zurück aus Split und da werde ich auch einige Fotos zeigen können.

    • Jörn Daberkow

      Hi Markus,

      danke. Du hast soeben den 5.000sten Kommentar (aller Leser) auf kontrastkammer veröffentlicht!

      Auf deine Bilder aus Split bin ich gespannt!

      Jörn

      • 5.000?! Cool! Da gratuliere ich Dir (und mir *grins*).

        Und Split bzw. auch der Rest von Kroatien den ich gesehen habe, ist wirklich wunderschön. Denke, ich werde da bis Ende der Woche was bringen.

        • Jörn Daberkow

          5.000 ist eine schöne runde Zahl! Deine Bilder schaue ich mir auf jeden Fall an! Ich bin neugierig, wie die Stadt ausschaut.

        • „Und Split bzw. auch der Rest von Kroatien den ich gesehen habe, ist wirklich wunderschön.“

          Ich bin gepannt 🙂 Wir haben uns für den Spätsommer einen Flug nach Split gebucht …

  2. Hi Jörn,

    I am Emilio, the boy from Seville who was with his wife and served as an improvised model in the memorial of the Berlin holocaust. I have seen your fabulous report, it is very good, but the pity is that I have not seen my photo. If you were so kind to send it to me I would be very happy because I thought it was fantastic and I would love to have it, thank you very much, my friend, I will continue to publish on this website, it seems fantastic.

    A greeting.

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