Die linke Schublade

Linke sind böse. Oder Träumer. Liest man überall. Aber was ist eigentlich „links“? Und wozu die Schublade? Ich hielt mich eigentlich immer für einen Linken, möchte mich aber keiner Kategorisierung mehr unterordnen. Ich bin in erster Linie ein Mensch, der für Gerechtigkeit ist. Das ist völlig unabhängig von meiner Wahlentscheidung. Haarspalterei? Wo der Unterschied ist? Ganz einfach …

Der Haken bei der Sache mit der Linkskategorisierung wird anhand eines Beispiels sehr schnell deutlich … Wenn jemand sagt, „Pass auf, das ist ein Linker“, klingt das viel böser, als wenn jemand (z. B.) rufen würde „Vorsicht, der Arsch will, dass alle Geringverdiener mehr Rente bekommen und Reiche mehr Steuern zahlen sollen!“

Würde sich die CDU eine solche Position (substanziell mehr Rente für Geringverdiener und deutlich höhere Steuern für Reiche) glaubhaft zu eigen machen, würde ich die sofort wählen. Die Chance, dass das dann umgesetzt würde wäre ja viel größer, als wenn ich eine Partei unterstütze, die kaum über 10 % kommt. Wäre ich mit einer Wahlentscheidung für die CDU noch ein Linker? Und was kann ich dafür, dass die großen Parteien so weit rechts von mir sind, dass ich links davon stehe?

Über die CDU wird ja ab und an geschrieben, sie wäre in die politische Mitte gerückt. Woran wird das festgemacht? Wenn ich es korrekt erinnere, waren die Steuern für Unternehmen während der Kohl-Regierung wesentlich höher. Das Rentenniveau auch. Die Angela Merkel CDU vertritt hier eine völlig andere Position. Eine, mit der ich überhaupt nicht einverstanden bin. Reiche werden entlastet und Geringverdiener immer mehr belastet. Was das mit „Mitte“ zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht.

Auf jeden Fall sieht man sehr schön, dass Schubladen unheimlich praktisch sind. Vor allem in der Politik. Da sollte es aber mehr um Positionen gehen. Der Witz ist doch, dass sich auch viele Menschen aus anderen Schubladen mit Positionen wie „mehr Rente für Geringverdiener, oder höhere Steuern für Reiche“ identifizieren können. Nur Linke und andere können ja nicht miteinander. Sollen sie auch nicht. Wie heißt es doch so schön? „Teile (die Menschen) und herrsche.“

Abschließend noch ein Verweis auf England. Die Labour-Partei will dort Politik machen, wie ich sie mir wünsche. Von einem solchen Programm ist in Deutschland jede Partei Lichtjahre entfernt. Leider.

Immerhin, allein die Tatsache, dass es sogar in England möglich ist, dass eine Partei ihr soziales Gewissen wiederfindet und in Portugal eine Regierung mit einem „linkem Programm“ erfolgreich ist, lässt hoffen, dass sich die neoliberale Ideologie auch in Deutschland überwinden lässt. So gesehen freut mich vor allem das Wahlergebnis der SPD.

Jörn Daberkow

4 Comments on “Die linke Schublade

  1. “ Ich bin in erster Linie ein Mensch, der für Gerechtigkeit ist.“

    Das ist gut so.

      • Moin Jörn,

        schreiben kann ich ja viel, aber wie man gesehen hat, macht es ja wenig Sinn … 🙁

        Du hast es, wie man sieht, schon richtig verstanden, einer mehr, das macht Hoffnung … 🙂

        Was mich umtreibt, ist immer die selbe Frage: wieso wählt das Volk sich selbst kaputt? Ich verstehe es nicht! Da hört man jahrelang, es geht ein “Linksruck“ um, nach der Wahl stellt sich das genaue Gegenteil raus und niemand regt sich darüber auf!

        Das alle Parteien nur noch einen gemeinsamen Einheitsbrei von sich geben, bin ich gewohnt, das NICHTS dagegen unternommen wird eher nicht. Wir haben ja leider nur die Möglichkeit der Wahl, um etwas zu verändern, wenn dann aber jedesmal ausgerechnet die Parteien, die eine Änderung überhaupt in Betracht ziehen, gar nicht in Erwägung gezogen werden, ja völlig ignoriert werden, was soll sich dann verbessern?

        Das die FDP wieder drin ist … Dazu fehlen mir die Worte.
        Das die Grünen … Dazu fehlen mir die Worte.
        AfD sie marschieren wieder … Was meinst du, wie das hier im Ausland ankommt?
        SPD früher mal Arbeiter Partei, heute mit Nahles, die alle unsozialen Gesetze mit zu verantworten hat, in der Opposition (obwohl, da sehe ich die Partei noch nicht, die schwenken noch um zur GroKo …)
        Und zum Schluss: Das Merkel … was soll man dazu noch sagen?

        War das politisch genug? 🙂

        • Hallo Michael,

          mir fällt dazu auch nichts mehr ein. Ich will mir auch keine Gedanken mehr machen. Also ich habe natürlich eine Meinung, aber ich schreibe hier ja nur noch sehr selten etwas zum Thema Politik. In der SPD kommt die Hinterzimmer-Entscheidung der Führungskräfte übrigens auch nicht überall gut an. Da bildet sich gerade eine kleine Welle. Mal sehen, wie groß die noch wird.

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