Haste mal ein Foto?

Bislang bemühe ich mich auf meinen Webseiten selbst beim größten Ärger um einen gepflegten Tonfall. Auch die dreisteste Mail an mich verlässt gewöhnlich nicht meinen Raum. Heute möchte ich (mit eurer Erlaubnis) gern eine Ausnahme machen …

Nein, auch jetzt werde ich weder Namen nennen, noch werde ich etwas zitieren, aber ich möchte mal ganz allgemein etwas gesagt haben.

Ich erhalte recht häufig Anfragen zu Bildern von mir. Teilweise wird mir ausführlich dargelegt, wofür das Bildmaterial verwendet wird und warum ich es verschenken soll. So wie gerade eben …

Angefragt hatte eine “Institution”, die nicht wirklich durch Armut bekannt geworden ist. Bezahlen wollte man trotzdem nicht (hier wurde es nicht mal begründet). Davor wollte eine Werbeagentur mit mehr als 100 Mitarbeitern Fotos von mir haben – ebenfalls geschenkt. Und so weiter und so fort.

Ihr da draußen, die ihr solche Mails schreibt,

es kotzt mich an. Ihr habt echt den letzten Schuss nicht gehört. Ihr nehmt euch die Zeit, um das passende Foto für euren Bedarf bequem im Web zu suchen – ganz so, als wäre es ein Katalog, der nur für euren Bedarf angelegt worden ist und fragt dann einen nach dem anderen – bis ihr einen gefunden habt, der blöd genug ist und für euch umsonst arbeitet (wir nennen auch deinen Namen. Beim nächsten Auftrag gibt’s Geld! Wenn du für uns arbeitest, kriegst du auch andere Kunden – und so weiter). Es würde mich nicht mal wundern, wenn anschließend der Praktikant Bilder und Text zusammenschiebt und die billigste Druckerei das Produkt bis spätestens gestern (und in Top-Qualität) raushauen soll.

Am Ende des Arbeitstages steigt ihr in euren Wagen und genießt zum Feierabend ein schönes warmes Essen. Die Miete ist bezahlt und der Kühlschrank ist voll. Ihr vergesst dabei ganz entspannt, dass das eben nicht für jeden selbstverständlich ist.

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass euch dieses kranke “Wirtschaftsmodell” so bald wie möglich dermaßen um die Ohren fliegt, dass euch mehr als nur hören und sehen vergeht.

Bis es so weit ist von mir ein Tipp: Macht eure beschissenen Fotos doch selbst.

Jörn Daberkow

Kategorien Weltliches

Fotografie und Musik sind ein substanzieller Teil meines genetisches Codes und keine freie Entscheidung.

20 Kommentare zu “Haste mal ein Foto?

  1. Diese “Kostenlos-Mentalität” finde ich auch mehr als ärgerlich! Und solche Anfragen werden scheinbar nur an künstlerisch tätige Menschen wie z. B. Musiker und Fotografen gerichtet. Schließlich macht uns der Job ja Spaß. Da kann man das ja wohl mal umsonst machen!

    Und ja: kann und macht man für Freunde im gewissen Umfang ja auch dann und wann. Aber nicht für Firmen die damit Geld verdienen. Keiner käme vermutlich auf den Gedanken, einen Steuerberater zu bitten, die Erklärung umsonst zu machen. Man würde auch seinen Namen nennen und ihm vielleicht Kunden vermitteln! Oder beim Caterer Essen umsonst verlangen. Dazu ist im Netz auch immer wieder eine passende Antwort auf solche Anfragen im Umlauf. Nach dem Motto “beliefern Sie doch gerne kostenlos meine nächste Party mit Essen, es ergeben sich bestimmt neue Kunden!”.

    Nicht ärgern lassen, sondern mit Humor nehmen.

    • Für Freunde mache ich gern was umsonst – sind ja Freunde, da hilft man sich untereinander. Diese Art Anfragen häufen sich aber und ich kann’s einfach nicht mehr haben. Das macht mich nur noch wütend.

      • Leider kenne ich die Situation, zwar vermutlich nicht mit der selben Intensität wie bei Dir, aber immerhin doch.

        Vor einiger Zeit hat ein Vertrieb bei mir wegen Fotos für einen pdf Flyer zur FMM angefragt. Die Fotos waren unter semioptimalen Bedingungen entstanden und zeigten ein Instrument. Meine Großzügigkeit – in dem Falle eine freundliche Umschreibung für Dummheit – wurde damit belohnt, dass die Quelle der Fotos noch nicht einmal genannt wurde, wenngleich das ausgemacht war. Ok, am pdf war es zu lesen am Ausdruck den ich über Kanäle bekam hingegen nicht.

        Oder ein anderes Beispiel – ein online “Laden” bedruckt(e) Bettzeug mit auswählbaren Motiven. Eines davon stammt von mir und zeigt einen GRP A4 Synthesizer. Durch Zufall erfuhr ich davon und fragte nach. Leugnen war ziemlich schnell für die Herrschaften zwecklos, da das Instrument eine Unmenge an Drehreglern, Schaltern etc hat und sich alle halt leider exakt in der Stellung befunden haben, wie auf meinem Original. Ein befreundeter Anwalt hat dann ein Schreiben an die Herrschaften gesendet und seitdem harren wir einer Reaktion. Die wird ziemlich sicher nicht kommen, da der Klagswert vermutlich zu gering ist. Und genau darauf spekulieren sie….

        Markus’ Beispiel mit dem Steuerberater trifft den Nagel auf den Kopf.

        • Ist doch widerlich, oder? Bei der Sache mit dem Bettzeug solltest du nicht nachlassen.

          Was ich da schon alles erlebt habe – nicht mehr witzig.

  2. Hallo,

    mit großem Interesse habe ich Ihre Arbeiten verfolgt, wirklich interessant. Ich bin Fotograf und gebe Ihnen als Werbeagentur die Chance durch kostenloses Arbeiten für mich Ihren Namen zu verbreiten, denn den würde ich natürlich nennen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Fotograf XY.

    • Ja, so könnte man auf Werbeagenturen zugehen – aber selbst wenn es eine Agentur ist, die gewöhnlich kostenloses Bildmaterial einsammelt, würde man dort vermutlich trotzdem nicht dahinter kommen, was das soll und warum jemand auf die Idee kommt, so eine Mail zu schreiben …

  3. Hallo Jörn,

    gut, dass du deinem Ärger, den viele mit sich rumschleppen, mal Ausdruck verleihst. Ich kenne immerhin auch ein paar Gegenbeispiele, wo Musiker für Fotos, die sie einsetzen wollen, bezahlen. Aber ansonsten kann ich auch ein Lied davon singen, dass Konzertfotografie ein brotloser Nebenerwerb ist, bei dem man dankbar dafür sein muss, sich einen Namen machen zu dürfen. Eigentlich ist das nicht mal brotlos, sondern ein ordentliches Draufzahlgeschäft – denn was eine gute Fotoausrüstung mit lichtstarken Objektiven und rauscharmer Vollformat-Kamera kostet, muss ich wohl nicht weiter ausführen … Von der Arbeitszeit ganz zu schweigen.

    Viele Grüße

    Ulf

    • Hallo Ulf,

      das musste ich gestern einfach mal öffentlich machen. Ich wurde meinen Ärger darüber überhaupt nicht mehr los und hab mich bis in den Abend gedanklich damit beschäftigt.

      Anschließend habe ich dann damit angefangen, die Seite umzugestalten. Ich werde dort alle Bilder rausnehmen, die in meinen iBooks gezeigt werden und nur noch Galerie-Screenshots der im iBook vorhandenen Bilder zeigen. Früher oder später soll das möglichst alle Serien betreffen. Ganz wird das leider nicht klappen, da ich nicht für alles eine iBook-Freigabe habe (z. B. das Stahlwerk) und auch nicht alle Fotos gut genug sind – aber wo es geht, mache ich es auch.

      Das werde ich auch bei moodway so umsetzen. Es ist eh’ geplant, neue Reiseziele immer gleich mit dem Ziel zu fotografieren, daraus ein iBook zu machen (wie z. B. in diesem Jahr Teneriffa).

      Ich glaube, ich bin immer noch wütend …

      Jörn

      • Ich finde gut, dass Du das zum Thema gemacht hast. Den Vorschlag von lichtbildwerkerin fand ich zumindest zum Schmunzeln, auch wenn das Thema nicht wirklich zum Lachen ist.

        • Morgen Peter,

          ja, Conny (Lichtbildwerkerin) hat da vermutlich auch jede Menge (unfreiwillige) Erfahrung … Und nein, es ist nicht zum Lachen. Nicht mehr. Ich bekomme solche schamlosen Anfragen mehrmals im Monat rein.

          Ich wurde auch schon mal damit erpresst, kostenlose Bilder für einen externen Hausanwalt einer großen Firma rauszugeben. Ansonsten würde ich keine Freigabe erhalten. Ich habe dann auf die Freigabe verzichtet.

          Mit der Firma hatte ich zuvor ein Fotoshooting vereinbart und fast exakt ein Jahr auf den Termin gewartet. Als ich anschließend bei der Geschäftsführung um Freigabe bat, erhielt ich Post vom Anwalt des Hauses, der mir die Freigabe nur unter der Bedingung erteilen wollte, dass er meine Fotos für seine Kanzlei frei verwenden dürfte.

          Das war auch so ein Moment, wo ich extrem wütend war. Hätten die das vorher gesagt, hätte ich wenigstens darüber nachdenken können, ob ich auf so einen Deal eingehe, aber mich nachher vor vollendete Tatsachen zu stellen (nachdem ich gewartet und gearbeitet habe) fand und finde ich reichlich “unhanseatisch”.

  4. Juergen

    Ich kenne Ähnliches aus dem Musikbereich. Sänger werden gebeten, die Original-Playbacks ihrer Songs für Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern zur Verfügung zu stellen. Nach Hinweis auf Karaoke-CDs heißt es, man bräuchte für die Darbietung aber unbedingt die Original-Insturmentierung. Die Sache mit den Fotos finde ich aber noch schlimmer, da geht es ja gleich um das ganze Werk.!
    Spätmorgendliche Grüße
    Jürgen

    • Diese Facette mit den Playbacks kannte ich noch nicht …

      Vielleicht wird es langsam mal Zeit bei solchen Leuten konzeptionell zurückzuschlagen und ebenfalls nichts mehr zu bezahlen. Vielleicht kommen wir dann irgendwann an den Punkt, an dem niemand mehr für Arbeit entlohnt wird.

      Damit der deutsche Geiz-ist-geil-Bürger nicht endgültig und komplett verhungert, wird von Seiten der Politik das bedingungslose (und dann alternativlose) Grundeinkommen eingeführt.

      Bis es so weit ist, werde ich den größten Teil meiner Bilder vom Netz nehmen. Damit provoziere ich dann wenigstens keine weiteren Nachfragen mehr.

  5. Zum Thema Musik noch eine Anekdote aus den 80ern. Ein Freund und Kollege hat einem damals befreundeten Produzenten ein eigenes Stück im Studio des Profis vorgespielt. Wenn ich mich recht entsinne, hat er das Tape dort gelassen da man Tage später besprechen wollte was man daraus machen könnte. Am Tag des Abholens war dann die Euphorie auf der anderen Seite sichtlich geschwunden und der Studiokalender sowieso voll mit wichtigen anderen Terminen.

    Monate später, beim Einkehrschwung auf einer Skihütte, ist meinem Freund dann das Essen aus dem Mund gefallen. Drei Mal darfst Du raten was aus den Boxen ertönte? Natürlich nicht das Original, aber die Herkunft war zweifelsfrei zu erkennen. Gott sei dank hat er sich von dieser Geschichte nicht abschrecken lassen, ist dann nach Australien ausgewandert und produziert dort Bands.

    Generell muss ich sagen, dass ich in keiner anderen Branche derart unseriöse Leute kennengelernt habe, wie in der Musikbranche.

    • Die Musikbranche war schon immer eine eigene Welt und Musiker sind eh’ eine ganz besondere Spezies. Zum Glück war das schlimmste, über das ich mich im Kontakt mit anderen Musikern ärgern musste immer nur eine gewisse “Lockerheit” in Sachen Terminabsprachen. Da hört man dann oft Dinge wie “Ich ruf’ dich morgen an!” und hört dann drei Wochen nichts mehr von denen.

  6. Ich kann mich da auch nur dem Statement von Peter anschließen: Mein Respekt gilt ebenfalls allen, die nur mit Musik ihren Lebensunterhalt verdienen. Und zwar ohne dabei andere über den Tisch zu ziehen.

    • Mit Musik oder anderer Kunst (Fotografie, Malerei, usw.) …

      Ist eigentlich seltsam. Jeder schaut sich gern schöne Bilder an. Unternehmen möchten auch nicht darauf verzichten und verwenden Fotos in Artikeln, oder für Produkte. Und jeder hört gern Musik. Trotzdem scheint diese Arbeit bei einigen Unternehmen eine nur sehr geringe Wertschätzung zu bekommen.

      • Da hast Du leider recht Jörn. Letztens erst hatte ich mit jemanden eine Diskussion bzgl. illegaler Musikdownloads. Für den war völlig klar, dass das so sein muss. Ja, muss! Am besten fand ich dann den Teil, in dem es darum ging einen Megahit zu schreiben mit dem Ziel damit reich zu werden. Mein Gegenüber hat sich dann gewundert als ich laut lachen musste….

    • Hallo Markus,

      Sehr gute Ergänzung (ohne dabei andere über den Tisch zu ziehen)!

      Peter

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