Mallorca im September

Mallorca im September

22. September 2017 – 4:30 Uhr. Check-in am Flughafen. Am Band für den Handgepäck-Scan. Ich starte den (gefühlt) 723. Versuch, mein iPad und mein iPhone so in der Plastikkiste anzuordnen, dass der Flughafenmitarbeiter meine Geräte nicht anfingert. Vergeblich. Er schiebt sie von hier nach da. Von links nach rechts. Von der einen in die andere Ecke. Irgendwann entscheidet er sich. Er schubst sie zusammen. Argh!

Was habe ich übersehen? Welches Geheimnis ist hier aufzudecken? Und noch viel wichtiger: Was muss ich tun, damit das aufhört? Leute, das geht mir auf die Eier! Lasst eure Griffel von meinem Geraffel!

Es hat mich ein lockeres Stündchen gekostet, meinen Ärger über diese (wiederholte) Episode zu vergessen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits in der Luft.

Während eines Mallorca-Flugs hat man nicht viel auszustehen. Starten und landen sind gefühlt nur wenige Augenblicke voneinander entfernt. So war es auch an diesem Tag. Und auf der Insel ging es noch mal schneller. Landung. Leihwagen. Losfahren.

Die erste Nacht verbringen wir in Alcudia. Ein großes Schlaf- und ein großes Wohnzimmer. Im zweiten Stock. Mit Meer- und Tankstellenblick. Weitab von ruhig, aber egal. Der Wecker klingelte an diesem Morgen um 2:45 Uhr. Einschlafen? Kein Problem.

Dieses Hotel haben wir als Basis für fotografische Ausflüge zum Cap Formentor gebucht. Das haben wir noch am selben Abend und am nächsten Morgen besucht. Etwas zu früh und etwas zu spät. Timing ist in der Fotografie alles. Ich habe mich an beiden Tagen auf eher lange Belichtungen konzentriert.

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Die nächste Nacht verbringen wir in einem ehemaligen Kloster. 510 Meter hoch. Santuari de Sant Salvador. In den zurückliegenden Jahren waren wir oft hier oben. Ein bis zwei Stunden. Es wurde Zeit für eine Übernachtung. Das Zimmer? Eine perfekt renovierte Klosterzelle. Schlicht. Edel. Schön.

Erwartet habe ich ein leeres Haus. Wer (außer uns) würde so verrückt sein und auf Mallorca – in der Badesaison – in 510 Meter Höhe in einem ehemaligen Kloster übernachten, das locker eine Autostunde vom Meer entfernt liegt? Es stellte sich heraus, dass das ziemlich viele waren. Das Hotel …

Mallorca im September

… war fast ausgebucht.

Die Rezensionen über das Haus sind voll bizarrer Kritik. Bemängelt wird zum Beispiel die lange Auffahrt und die kurvige Strecke. Mehrere Gäste vermissten ein TV-Gerät (was waren das für welche?!), anderen waren die Zimmer zu schlicht und dann gab´s welche, denen es zu still war. Als ich das hörte, habe ich mich gefreut. Hier bestand die Chance auf Ruhe! Ein Traum – der zumindest in dieser Nacht nicht in Erfüllung ging. Auch hier waren wieder Reisende unterwegs, die sich zu nachtschlafender Zeit gleichgültig und laut krakeelend durch die Gänge vor den Zimmern bewegten. In diesem Fall mit ordentlich Hall.

Fotografisch habe ich mich vor allem auf das 37 Meter hohe Monument des Christkönigs gefreut. Meine Aufnahmen sind zu später Stunde und am frühen Morgen entstanden.

Santuari de Sant SalvadorMallorca im September Mallorca im September

Nach dem Frühstück ging es nach Colonia. Die letzte Unterkunft dieser Reise. Mit Erinnerungen vermintes Gelände. Schon die Hinfahrt erzeugte bei mir eine depressive Verstimmung.

In Colonia haben wir über 20 Urlaubsjahre verbracht. Länger werden wir nirgendwo mehr sein. Während dieser Zeit wurden unsere Kinder zu Männern und unsere Enkel zu Ein-Meter-Fünfundachtzig-Jungs. Ab und an waren wir gemeinsam auf der Insel. Manches erinnere ich wie gestern. Zeit, die nicht wiederkehrt. Momente, die vergangen sind. Das tut immer noch weh. Vor allem, wenn ich hierher zurückkehre. Immerhin: Ich habe eine neue Liebe gefunden. England. Weitaus schöner, als alles, was ich in meinem Leben sah (außer vielleicht Island und einige Nationalparks in den USA). Nur das Wetter könnte im alten Empire gern etwas besser sein …

25. September 2017. Einen Tag nach der Bundestagswahl. Eine Herde Horde von Männern zwischen 35 bis 45 schlurft genervt lamentierend am Strand von Es Trenc entlang. Es geht um Frauen. O-Ton: „Hier gibt´s ja nur alte Weiber!“

Gedacht habe ich zwei Dinge:

  • Digga, guck mal in den Spiegel und auf deinen Bauch. Und
  • Trottel. Das hier ist ein Familienstrand. Warum übernachtet ihr nicht in El Arenal?

Colonia wendet sich in meinen Augen tatsächlich eher an ältere Urlauber und Familien. Für die ist es auch ein Pluspunkt, dass in diversen Hotels in dieser Gegend sogar mehrmals die Woche ein Arzt vorbeikommt. Da ich nun stark auf die 60 zugehe, weiß ich das sehr zu schätzen.  😀

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28. September 2017. Der letzte ganze Tag. Trotz meiner anfänglichen Traurigkeit über die hier vergangenen Jahre, bin ich längst wieder „angekommen“. Colonia ist selbst in der Hauptsaison vergleichsweise erträglich mit Menschen gefüllt. Der Gedanke, dass es morgen wieder nach Hamburg geht, missfällt mir sehr …

Gestern und heute war ich allein unterwegs, um Colonia früh morgens in Bildern festzuhalten. Einmal ohne und einmal mit Stativ. Die dabei entstandenen Aufnahmen zeigen meinen Blickwinkel diese Kleinstadt. Fast menschenleer und ruhig. Oft mit Langzeitbelichtungen zusätzlich „entschleunigt“.

Abends hatten wir leider immer Livemusik aus den benachbarten Hotels. Gerade als Anwohner würde mich das nerven. Kein Wunder, dass sich auf Mallorca zunehmend Widerstand gegen den Massentourismus formiert.

29. September 2017. Ankunft in Hamburg. Wohlbehalten. Der Flug war ruhig und die Zeit ging schnell. Ganz im Gegensatz dazu: Der Hamburger Flughafen. Beim Starten werden Smartphones und Tabletts angegrabbelt und sinnfrei in der Plastikkiste hin und hergeschoben und bei der Landung wird man stehen gelassen. Wir mussten rund 40 Minuten auf unser Gepäck warten. Geiler Service.

Jörn Daberkow

PS: Zwei Tage nach dieser Reise ging es direkt nach England …

8 Comments on “Mallorca im September

  1. Kann mich Conny nur anschließen: wie immer ein interessanter Reisebericht – und im dem Klosterhotel war ich vor 15 bis 2o Jahren auch schon mal …

    Was die iPad-Grabbelei angeht: Mir wäre es egal, wenn sie es ein bisschen hin- und herschieben, klingt ja nicht nach beschädigender Behandlung. In eine Hülle würde ich es halt sicherheitshalber tun.

    Viele Grüße, Ulf

    • Hallo Ulf,

      danke!

      Wie jetzt? Du warst auch schon auf Mallorca? Und dann noch oben auf Sant Salvador? Das überrascht mich jetzt. Irgendwie hätte ich gedacht, dass Mallorca nichts für dich ist. So kann man sich täuschen …

      Gepäck-Kontrolle. Ehrlich, ich kann das nicht ab. Wer weiß, wo der Kollege zuvor seine Finger hatte? Im günstigsten Fall nur in der Nase.

      Ich kann es nicht haben, wenn jemand, den ich nicht kenne, meine Sachen in die Hand nimmt und sie dann sinnfrei. 3 cm weiter links platziert, als ich es getan habe. Was soll die Scheiße? Und in der Hülle ist nicht erlaubt. Die Sachen müssen ausgepackt werden.

      • Ja, ich war damals für 3 Wochen auf Mallorca. Eine Woche die Westküste rauf – eben am Ende eine Nacht auf Sant Salvador … Und dann 2 Wochen in Cala Rajada – war ein 2-wöchiges Familientreffen damals. Ich mag die Insel ja, aber sie ist mir an vielen Stellen zu voll.

        • Interessant! Welche Geheimnisse hast du noch vor mir?! 😉

          Und ja, die Insel ist teilweise (natürlich auch je nach Jahreszeit) voll. Wir sind genau deshalb fast immer in Colonia – eben weil es da noch vergleichsweise ruhig ist.

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