Jörn Daberkow

Meinung: WWDC17

Unlängst fragte ich, ob der Mac eine Zukunft hat. Diese Frage wurde auf der WWDC17 eindrucksvoll beantwortet.

Da die Keynote jederzeit angesehen werden kann, kommentiere ich hier nur die Dinge, die mich besonders beeindruckt haben. tvOS und watchOS sind nicht meine Baustelle. Ich schaue seit Jahren kein TV mehr (ist mir zu blöd) und meine Uhr hört auf den Namen iPhone SE. Übrig sind demnach macOS, iOS und die damit laufende Hardware. Die passende Stelle der Keynote beginnt bei Minute 20:30.

macOS High Sierra

Die kommende macOS-Version heißt „High Sierra“. So weit so unspektakulär. Die Keynote zum Betriebssystem widmet sich zuerst der Geschwindigkeit des Apple-Browsers Safari. Mag sein, dass diese Software die schnellste ist. Schneller als Chrome, Firefox und Co. Ich glaube nur nicht, dass es beim täglichen Web-Surfen auffallen wird – zumal hier auch noch die verwendete Maschine eine Rolle spielen dürfte.

Interessanter fand ich da schon, dass Apple mit High Sierra Autoplay blockieren wird. Bei einem Webseiten-Besuch soll es keine Videos mehr geben, die automatisch starten. Tracking soll nun ebenfalls verhindert werden. Die zuständige Funktion heißt „Intelligent Tracking Prävention“.

Fotos App

Besonders interessant fand ich die Vorstellung der aufgebohrten Fotos-App. Ich weiß derzeit nicht, wie gut die neuen Werkzeuge in „Fotos“ sind, aber vom Funktionsangebot scheint mir die Software auf Augenhöhe mit dem längst verblichenen Aperture zu sein. Ich gehe allerdings davon aus, dass Lightroom nach wie vor in einer völlig anderen Liga spielt.

Vielleicht (das wäre jedenfalls schön) entdeckt man in Cupertino ja irgendwann die Fotografen als User wieder und kümmert sich dann mit professionellen Anwendungen um diese Kunden. Wie wäre es mit einem „Fotos Pro“? Mit richtig guten Werkzeugen zur Bearbeitung.

In meinen Augen wäre es großartig, wenn auch Apple ein zu Lightroom konkurrenzfähiges Programm im Angebot hätte.

APFS

Der nächste Punkt der Keynote hat sich mit dem File-System beschäftigt. Die neue Version heißt APFS. Zumindest beim Kopieren großer Dateien sieht man die Vorteile aus dem Stand. Das war der erste Moment, indem ich beeindruckt war. Gute Arbeit, Apple!

iMac Pro

Noch mehr hat mich anschließend der iMac Pro beeindruckt. Zuerst wegen der grauseligen Farbgebung, die ich in der Form nur von einem PC-Hersteller erwartet hätte. Und dann natürlich angesichts der Leistung in der höchsten Ausbaustufe. Erstmals in meinem Computer-Leben dachte ich bei mir, dass ich diese unglaubliche Power zwar nicht benötige, sie aber in spätestens 10 Jahren in einem iPad mit mir herumtragen werde. 🙂

Der iMac-Pro-Preis wurde schamhaft nur für die Basiskonfiguration bekannt gegeben: 4.999 Euro. Holladiho … Meine Schätzung für die teuerste Konfiguration? 20.000 Euro.

iOS 11

Weiter mit den Features in Sachen Fotografie und Video. Hier fand ich genial, dass Apple mit iOS 11 iPhone- und iPad-Fotografen die Möglichkeit an die Hand geben wird, mittels mehrerer Fotos den Look von Langzeitbelichtungen zu bekommen. Am Besten mal ab Minute 64:12 in die Keynote schauen.

Gut gefallen haben mir auch das kommende Dock und das neue Kontrollzentrum. Noch wichtiger: Ein Dateisystem (Minute 108:30), das man im Zugriff hat. Damit mausert sich iOS zu einem richtigen Betriebssystem – also zu dem, was man als User mit einem gewissen Output (Audio, Bilder, Dokumente, Texte) darunter versteht. Man kann Ordner anlegen und dort seine Dateien speichern. Finde ich super. Ja, ist eigentlich selbstverständlich, doch konzeptionell hat man es im iPad nicht unbedingt gebraucht, es aber immer gewollt. Mit iOS 11 bekommt man es.

iPad Pro

Das iPad Pro wurde ab Minute 93:30 vorgestellt. Das kleine Modell hat bei kaum veränderten Formfaktor ein größeres Display bekommen. Die Auflösung wächst hier von 2048 x 1536 auf 2224 x 1668. Das gefällt mir als User. In meiner Rolle als iBook-Produzent gefällt es mir nicht. Weil ich nicht weiß, was ein iPad-Pro-User sieht, wenn er z. B. mein Lake-District-iBook auf seinem Gerät anschaut. Hier ist mein iBook über St. Peter-Ording die Ausnahme, da ich die enthaltenen Bilder von Anfang an auf das große iPad optimiert habe.

So oder so: Für mich wäre die höhere Auflösung beim kleinen Modell noch kein Kaufgrund. Den sehe ich eher beim großen iPad Pro, das nach wie vor 2732 x 2048 bietet. In Zusammenspiel mit iOS 11 ist daraus ein extrem „rundes“ Produkt geworden, das ich unheimlich gern in Besitz nehmen würde. Was ich damit machen möchte? Zeichnen. Bilder optimieren. Texte schreiben. Mit diesem Gerät kann man neue Fotos auch auf Reisen vernünftig einschätzen und bearbeiten. Eine Info fehlt mir hier allerdings noch: Wie sieht es beim Import von Bildern über den SD-Card-Reader aus? Hat Apple den beschleunigt? Aktuell geht mir der Import viel (!) zu langsam.

Und noch was gefällt mir: Die Kamera des iPhone 7 ist nun auch dabei. Inklusive der optischen Bildstabilisierung und 4K-Video.

Die neue iPad-Werbung fand ich modern, wahnsinnig gut gemacht und mitreißend. Meinen höchsten Respekt für das Team, das diesen „Streifen“ produziert hat. Das waren echte Könner.

Ach ja, bevor ich es vergesse … Auf der Keynote wurde Affinity Photo auf dem iPad Pro vorgestellt. Ebenfalls beeindruckend!

HomePod

Abschließend gab es dann noch das „one more thing“ in Form einer Dose. Deren Name: HomePod. Die Bezeichnung finde ich – im Gegensatz zu diversen Stimmen in Webforen – richtig gut.

Mit dem HomePod hat Apple nach eigenen Worten den Lautsprecher neu erfunden. Im ersten Moment sieht das Teil aus, als wenn hier unverkaufte Mac-Pro-Gehäuse einer Zweitverwertung zugeführt wurden. Abseits davon gefällt mir das Produkt vom optischen Auftritt sehr gut. Irgendwie hat das was. Zumindest im Video kommt auch eine gewisse Wertigkeit rüber. Ich gehe mal davon aus, das der integrierte A8-Chip das qualitative Maximum aus dieser Box herausholt. Ob es damit HiFi-Enthusiasten zufrieden stellt, bezweifle ich sehr. Vielleicht hätte Apple noch eine Röhre einbauen sollen! Sanftes Glimmen und analoge Verzerrung bei höheren Lautstärken. Da hätte auch die HiFi-Szene aufgemerkt!

Fazit

Mich hat diese Keynote absolut zufrieden gemacht. Es wurden endlich wieder Produkte vorgestellt, auf die man sich freuen kann. Für mich waren das vor allem das iPad Pro und iOS 11.

Jörn Daberkow

13 Kommentare zu “Meinung: WWDC17

  1. Michael

    Endlich mal wieder ein “Haben wollen“ Effekt … 🙂
    Der iMac Pro reizt mich ungemein, wenn nur das liebe Geld nicht wäre …

    • Jörn Daberkow

      So ein iMac Pro wäre schon nett. Aber ich glaube wirklich, dass der für meine Anwendungen überdimensioniert ist. Meine in Sachen Leistung anspruchsvollste App heißt Lightroom. Mit einem iMac Pro werde ich meine Bilder auch nicht schneller optimieren können. Ich bin der bremsende Faktor. Schon bei meinem aktuellen iMac. Ohne Pro. Ohne 18 Kerne. Ohne 128 GB RAM. Und die 4 TB SSD wird mich in der Geschwindigkeit gnadenlos zurücklassen. Nee. Ich will den Computer doch nicht. Das wäre alles ganz schrecklich. 😉

      • Michael

        Überdimensioniert ist bei mir schon mein iPhone 4s … Das “Haben wollen“ fällt bei mir unter Toys für Boys, ich bin ein Mann, ich will das, auch wenn es keinen Sinn macht … 😉

        • Jörn Daberkow

          Moin Michael,

          ich versuche solche Wünsche ja immer mit den Dingen zu rechtfertigen, die ich mit meinen Computern mache. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Meistens läuft es auf „weniger gut“ hinaus.

          Momentan komme ich mit meinen Sachen sehr gut hin – das iPad Pro würde mir halt Zeichnen mit dem Pencil möglich machen. Ob meine Bilder damit besser werden, darf allerdings bezweifelt werden. Sollte ich wider Erwarten zu einem iPad Pro kommen, würde ich vermutlich einen Kurs besuchen, um meine „Zeichenkünste“ aufzufrischen.

          Das alles fällt aber wirklich unter die Rubrik „Träume“.

      • Ich habe etwas die Befürchtung, dass Apple mit dem iMac Pro wieder etwas über das Ziel hinaus schießt und mich würde es nicht wundern, wenn das verkaufstechnisch nicht so der Renner wird.

        Gefühlt war ja auch der Tonnen-Mac Pro soweit over the top (vor allem preislich), dass die meisten Mac Pro-User in meinem Bekanntenkreis auf einen iMac gewechselt sind.

        Knapp 5.000 $ für die kleinste Konfiguration ist jenseits von dem, was ich bereit wäre, auszugeben. Mal schauen, ob und welchen Anklang der iMac Pro findet.

        Schade finde ich dagegen, dass der Mac mini kein Upgrade bekommt, die kleine Schachtel hätte es bitter nötig. Gerade für kleine, kompakte Atbeitsplätze, Zuspielrechner, Meetingraum PC oder mit 19″-Adapter im Rack (z. B. als VST-Hostrechner) habe ich unzählige Einsatzmöglichkeiten für den Mac mini, wäre schade, wenn der Rechner nicht mehr gepflegt werden würde.

        • Jörn Daberkow

          Egal, ob Mac Pro, oder iMac Pro: Die Preise sind Abseits meiner Kaufbereitschaft. Attraktiv finde ich diese Computer durchaus, aber ich komme gut mit einem „normalkräftigen“ iMac hin. Lieber noch ein großes iPad Pro!

  2. Ich fand die Keynote heuer auch nicht uninteressant – Mal wieder ‚Haben wollen‘-Gedanken 🙂 ne, aber es war, denke ich, durchaus mal wieder eine gelungene Vorstellung. Bin schon richtig neugierig, was der HomePod so alles können wird – ich nehme an, das wird man in den nächsten Monaten eh noch lesen können, und spätestens bei VÖ in den USA bei diversen YouTube-Bloggern anschauen können. Leider ist der HomePod auch nich grade billig. In Verbindung mit Apple Music fände ich den aber sehr reizvoll, da mein Echo Dot ja leider derzeit kein Apple Music unterstützt …

    iPad Pro würd mich auch irgendwie reizen mittlerweile …
    iMac Pro? Wow, was für’n Ding, aber sehr stolzer Preis …

    Liebe Grüße
    Stefan

    • Jörn Daberkow

      Das iPad Pro hätte ich schon sehr gern. Dann die Version mit 256 GB und natürlich mit Pencil. Den HomePod würde ich gern mal hören. Mehr aus Neugierde. Nicht, weil ich den haben möchte. Möchte ich nicht. iMac Pro? Wenn ich mal im Lotto gewinne. Dann richtig. Sonst ist es für mich eine ähnliche Kategorie wie der Mac Pro, der einfach nicht meine Preisklasse ist. Für mich tut es auch ein normaler iMac – allerdings gern mit Retina-Display und mehr Farben. Das bietet mein Modell noch nicht.

  3. Woltaire

    Es war schon fast Zuviel was Apple da präsentiert hat. Es ging Schlag auf Schlag und viele interessante Details wurden aufgrund der Menge an Neuheiten unter den Tisch gekehrt. Jedenfalls bin ich sehr froh, dass der Mac aufgrund der vielen Kritikern, endlich wieder mehr Beachtung findet. Auch das ProPad ist spannend und das die FotoApp endlich wieder mehr Aufmerksamkeit erhält. Die Neuerungen in den Updates für den Mac und die iPhones haben auch ganz interessante Features erhalten. Was den HomePod anbelangt, hatte ich auf ein Gerät gehofft, an welchem auch noch Funktionstasten zu finden sind. Ich finde es immer sehr müßig den Radiosender am iPhone einstellen zu müssen, die Tasten hätten da sicherlich einiges erleichtert. Dazu kommt, ob das gute Stück auch Musik Daten auf einer NAS zurück greift oder nur sich wieder mit iTunes und Apple Music versteht. Das Gerät gut klingt und wie es sich letztendlich bedienen wird wird sich erst leisten wenn das Produkt auch in der deutschen Variante erhältlich ist . Da ich jetzt erst mich mit einem Sonos Produkt versorgt habe, bin ich mir auch nicht sicher ob ich noch einen zweiten Anbieter mit Sound-Systemen in meiner Wohnung haben möchte. Ich fand es war im großen Ganzen eine tolle Geschichte, jetzt würde ich mich freuen wenn Sie den Mac Mini ein bisschen modifizieren.

  4. Dein Zitat zum Home-Pod: „unverkaufte Mac-Pro-Gehäuse einer Zweitverwertung zugeführt wurden“ *lach* Der war gut! Genauso wie die Keynote. Das große iPad mit 512 GB RAM ist extrem cool und ich würde es für unterwegs jederzeit einem neuen MacBook vorziehen um Bilder damit zu bearbeiten. Macht jetzt schon am iPad Air2 viel mehr Spaß als am mittlerweile verkauften MacBook Pro.

    • Jörn Daberkow

      Grins … 🙂

      Das große iPad Pro ist extrem attraktiv. Hätte ich sehr gern. Mir würden allerdings 256 GB reichen.

  5. Diverse Plattformen haben sich ja mal den Spass gemacht und den iMac Pro in Vollausstattung hochgerechnet, basierend auf dem, was Apple sonst so an Preisen für Speicher u. ä. nimmt, und kamen da auf ca. 20.000$.

    Jörn, da lagst Du mit Deiner Schätzung ganz im Trend 🙂

    • Jörn Daberkow

      Cool. Danke für die Info. Tatsächlich war ich nah dran einen noch etwas höheren Preis zu nennen. Unter den Umständen, dass 20.000 Tacken womöglich ganz korrekt geschätzt sind, bin ich umso neugieriger, was denn ein maximal aufgerüsteter Mac Pro der kommenden Generation kosten wird!

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