Und was wählst du?

Bald dürfen wir wieder „wählen“. Demokratie und so. Auf Veränderungen hoffen. Oder, dass alles so bleibt. Ich will gar nicht darüber nachdenken, ob und welche Veränderungen in der aktuellen Welt aus Parteien und Medien überhaupt noch möglich sind. Mir geht es um was anderes …

Aufhänger ist für mich der SPD-Slogan „Zeit für mehr Gerechtigkeit“. Wie nennt man diese Form von Wahrheitsverdrängung? Immerhin erinnern wir uns ja alle: Agenda 2010, Hartz IV, Rente. Alles SPD. Und Grüne.

Welche Folgen das für all jene hatte, die sowieso schon nicht zu den einkommensstarken Menschen gehören, wissen wir. Klar ist zudem, wohin die ungewöhnlich „gute“ Beschäftigung im Niedriglohnsektor für die kommenden Rentner führen wird. Ist ja logisch. Wer kaum was einzahlt, bekommt auch nichts raus. Aber immerhin: Die Arbeitslosenstatistik sieht nun viel besser aus.

Wie lange hatte die SPD seitdem Zeit, sich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen? 10 Jahre? 20 Jahre? Egal. Definitiv lange genug.

Wer also die Rente mit 73 richtig geil findet, sich weiter im Niedriglohn-Sektor und befristeten Anstellungen tummeln möchte, oder sich schon auf die Agenda 2020 freut, der soll ruhig eine ununterscheidbare „Alternative“ aus CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen wählen. Was Protestwähler erwartet, ist indes auch schon klar. Nur offenbar nicht denjenigen, die ihr Kreuz entsprechend setzen wollen. Aber vielleicht ist man als Nichtwähler ja doch besser dran?

Jörn Daberkow

PS: Noch ein paar Denkanstöße?

6 Comments on “Und was wählst du?

  1. Stimmt, ihr wählt ja in den nächsten Tagen…. Keine leichte Entscheidung, würde ich sagen. Wen soll man denn heute noch wählen? Ich meine, die Slogans hören sich ja durchaus gut an, aber wenn wir aus der Vergangenheit eines gelernt haben, dann ist es das, dass viele Wahlversprechen nicht eingehalten werden – ist bei uns in Österreich auch nicht anders, hier stehen ja auch bald Wahlen an…

    Stefan

    • Hallo Stefan,

      ihr habt wenigstens noch eine funktionierende Rente. Glaubt man den Zahlen, die bei uns ab und an auftauchen, ist eure Rente im Schnitt rund 800 Euro höher als in Deutschland. Das ist eine Sauerei. Nicht wegen euch, sondern wegen der Politik hier.

  2. Naja, funktionierend – da kann man sicher drüber streiten, leben kann man von der hier auch nicht mehr. Was kriegt man denn bei euch im Durchschnitt, wenn ich fragen darf?

    • Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass es oft Thema ist, wie groß die Unterschiede zwischen der Deutschen und der österreichischen Variante sein sollen. Eben die besagten 800 Euro.. dazu findet man auch recht viel im Web.

  3. Das die Renten in Deutschland für viele Menschen jenseits einer würdevollen Grundsicherung liegen, ist unbestreitbar! Selbst mit Zuschüssen ist der Lebensstandard eine Zumutung, keine Frage. Dass hier die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat, bedarf keiner weiteren Ausführungen. Und klar ist auch, dass vor den Wahlen diese Themen immer wieder durchgekaut werden.

    Nur…

    Wenn deine Konsequenz deswegen ist nicht wählen zu gehen, glaubst Du wirklich, lieber Jörn, dass die Politik dies juckt? Sobald die Stimmen ausgezählt sind, wird sicher die schlechte Wahlbeteiligung bedauert, aber damit hat es sich auch schon. Diejenigen, die durch Verweigerung ihren Unmut ausdrücken, werden zwar medial zur Kenntnis genommen, aber im Endeffekt interessiert es keinen der Amtsträger (außer vielleicht jenen, welche deswegen nicht mehr in den Bundestag einziehen). Und es stärkt Parteien, welche krude Ansichten von Vorgestern vertreten.

    Leider ist es auch heutzutage schwer geworden, seinen Prostest, seine Wut oder Meinung, seine Ideen oder Visionen tatsächlich in demokratischen (!) Parteien unterzubringen, da das System extrem komplex und natürlich auch von Machtinteressen geprägt ist. Dabei wäre es enorm wichtig, dass die „ normalen Leute“ gehört werden, dass Handwerker, Künstler, IT—Spezialisten genauso in unserer Vertretung sitzen und nicht nur Juristen und Politikstudierte.

    Nur…….

    Lass mal die „normalen“ Leute mit den Lobbyisten zusammen kommen. Ich bin mir sicher, dass hier auch sehr schnell dieser Einfluss auf die Entscheidungen auswirkt.

    Aber nochmal zurück zu den Renten. Würde man den Menschen ein lebenswertes Rentenniveau zugestehen, würde sich Bürokratie abbauen, die Zufriedenheit steigern, die Wirtschaft angekurbelt werden, usw. Ich bin mir sicher, dass die neue Mehrheit an Senioren zukünftig von der Politk stärker bedacht werden wird, fragt sich nur zu wessen Nachteil?

    • Hallo Walter,

      schöner Kommentar von dir.

      Ich habe gewählt. Natürlich Links. Was anderes kommt auch keinesfalls in Frage.

      Jörn

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